Tankino und das Boot in Not

Das Boot in Not
Tankino besucht die Kindertagesstätte St. Marien und findet ein Boot in Not

Tankino hockte hinter einem Busch ganz in der Nähe des Spielplatzes und leckte sich das Maul. Das Brot mit Erdbeermarmelade war lecker. Hmm, er liebte Erdbeermarmelade.

Auf dem Spielplatz tummelten sich kleine Zweibeiner. Einige eroberten die Kletterburg. Ein Grüppchen hatte sich mit Eimerchen und Schaufeln an das Seeufer gesetzt. Emsig buddelten sie im Sand. Immer wieder holten sie Wasser aus dem See, um Matschepampe anzurühren oder den Sand etwas anzufeuchten, um Sandburgen zu bauen.

Zwei kleine Mädchen standen etwa einen Meter von Tankino entfernt. Munter plapperten sie vor sich hin.

„Ich will wissen, wann wir wieder auf unsere Arche dürfen“, sagte die kleine Marie.

„Mein Papa sagt, wir Kinder dürfen nie wieder auf der Arche spielen. Das ist viel zu gefährlich!“, antwortete das andere Mädchen. Es hieß Johanna.

„Dann sollen die Erwachsenen unser Schiff doch endlich reparieren!“, schimpfte Marie und stapfte mit den Fuß auf den Sandboden.

„Das geht nicht, sagt mein Papa. Dafür braucht man Fachleute und die sind zu teuer!“, wusste Johanna.

Eine erwachsene Zweibeinerin kam. „Komm wir gehen zur Rutsche!“, sagte sie und nahm die beiden Mädchen an die Hand, um mit ihnen zu den anderen Kindern zu gehen.

Tankino wusste, diese Zweibeiner waren Kindergartenkinder, die Seewoche hatten. Kindergarten-Zweibeiner liebten die Tage am Tankumsee. Hier konnten sie auf dem Spielplatz toben, Sandburgen bauen und auf der Wiese Fußball spielen. Und ein Picknick gab es auch. Wie gut, dass diese Kinder noch nicht wussten, dass Tankino hier am See lebte.

Tankino war ein kleiner pummeliger Drache. Am Familientag hatten ihn die Zweibeiner entdeckt. Nun musste er sich ein neues Zuhause suchen, denn es gab ein paar Jungs, die ihn fangen wollten.

„Oh manno!“, stöhnte Tankino, wenn er daran dachte. Er liebe seinen See und alle seine Freunde, die hier am See lebten: Krakra, die Krähe, Herakulas, den Hecht, die Kinder Tom und Frederike und vor allem Flupps, den giftgrünen Frosch.

„Was ist das für ein Boot, das die Kinder Arche nennen? Ob man auf dem Boot leben kann? Vielleicht kann ich mit dem Boot ja wegfahren, den großen Kanal entlang. Dorthin wo mich keiner findet!“, dachte Tankino. Er beschloss das Boot zu suchen.

Spät abends, als die meisten Zweibeiner schon schliefen, flog Tankino zur Kirche in der Ortsmitte von Isenbüttel. Hier in der Nähe sollte das Boot stehen, dass wusste er. Tankino hatte sich noch nicht einmal richtig umgesehen, da vernahm er schon ein dumpfes Stöhnen.

Tankino - Der Drache vom Tankumsee

„Bist du das Boot, das sie Arche nennen?“, fragte er neugierig, als er neben dem stöhnenden Boot gelandet war.

„Hmm“, ächzte das Boot. „Ja, hier nennen sie mich Arche!“

„Oh manno, du bist ja ganz kaputt!“, schimpfte Tankino. Auf so einem kaputten Ding konnte man weder wohnen noch in See stechen.

„Oooo, ich brauche Hilfe!“, stöhnte die Arche.

„Das sehe ich. Aber warum sagen die kleinen Zweibeiner, dass du eine Arche bist? Du siehst doch aus wie ein ganz normales Boot!“

„Für die Kinder bin ich ihre Arche, weil sie auf mir spielen. Sie fühlen sich auf mir geborgen. Deshalb bin ich ihre Arche. Wir hatten so viel Spaß zusammen!“ Die Arche war so froh, endlich mal ihr Leid klagen zu können.

„Jetzt bin ich ein Boot in Not“, seufzte es traurig aus den kaputten Planken. „Die Kinder dürfen nicht mehr auf mir spielen. Keiner hat mich mehr lieb. Bald werden sie mich verschrotten. Dabei war ich eigentlich mal ein Rettungsboot. Nun muss ich selbst gerettet werden!“

„Du warst mal ein Rettungsboot?“, fragte Tankino neugierig. Er wollte unbedingt mehr erfahren.

„AHM, ich gehörte zur Mannschaft der Rettungsbote der Queen Elisabeth II“, sagte die Arche stolz.

„Und wieso bist du dann hier und rettest keine Zweibeiner mehr? Was ist eigentlich eine Queen?“, wollte Tankino wissen.

„Eine Queen ist eine Königin. Queen Elisabeth ist die Königin von England!“

Mit staunenden Augen sah Tankino die Arche an. „Du hast die Königin von England gerettet?“

„Nein, nein, die Queen Elisabeth II war ein Kreuzfahrtschiff. Es fuhr über den Atlantik von Hamburg nach New York und zurück.“

„Achso!“, sagte Tankino enttäuscht. Der kleine Drache hatte sich gerade vorgestellt, wie die Königin von England in ihrem wunderschönen Kleid mit glitzernden Diamanten und einer goldenen Krone auf dem Kopf in dem Boot stand und „Hilfe, Hilfe…“ schrie, um gerettet zu werden.

„Ich wurde ausgemustert als die Queen Elisabeth II ihren Dienst einstellte“, seufzte das Boot. „Statt im Wasser zu schwimmen, muss ich jetzt im Sand stehen. Doch ich liebe es. Die Eltern der Kinder haben einige Veränderungen an mir vorgenommen und nun bin ich ein Spielboot. Ich hatte so viel Spaß…“

„Und wie lange musst du schon im Sand stehen, statt Rettungsboot sein zu dürfen?“, wollte Tankino wissen.

„Seit ungefähr vierzehn Jahren. Nun tun mir die Planken weh. Aber das Schlimmste ist, dass die Kinder sich an meinen Schrauben und Beschlägen verletzten können. Nun dürfen sie nicht mehr auf mir spielen. Oh, ich will hier weg!“, jammerte das alte Boot.

„Kommt nicht in Frage! Wenn die kleinen Zweibeiner dich so lieben und du dich über die Zweibeiner so freuen kannst, kannst du hier nicht weg!“, behauptete Tankino.

„Was soll ich nur tun. Ich bin doch zu nichts mehr nutze?“, erwiderte die Arche traurig.

„Du musst zum Arzt!“, überlegte Tankino.

„Es gibt keine Ärzte für Boote. Es gibt nur Bootsbauer!“, jammerte das alte Boot, „Doch wie soll das gehen?“

„Ich werde einen Brief an den Bootsbauer schreiben, damit er dir hilft. Tom, mein Freund, wird diesen Brief schreiben. Und dann bekommst du Hilfe. Ganz bestimmt!“ Tankino war sich ganz sicher, dass das arme Rettungsboot gerettet werden konnte.

„Oh das wäre so schön“, knarzte das alte Boot. „Aber sag, wer bist du eigentlich?“

„Ich bin Tankino, der Drache vom Tankumsee“, sagte Tankino.

„Und was suchst du hier im Kindergarten?“, wollte die Arche wissen.

„Oh manno, ich suche ein neues Zuhause. Die Drachentöter wollen mich fangen. Nun muss ich umziehen. Die kleinen Zweibeiner am See erzählten von ihrer Arche. Da dachte ich, das schau ich mir  mal an. Vielleicht kann man mit diesem Boot ja auf dem Kanal davon schwimmen.

Naja, falsch gedacht. Du bist ein Spielboot, das ein Rettungsboot war und nun selbst gerettet werden muss! Auch wenn du die Königin von England gar nicht gerettet hast! Ich muss jetzt los. Morgen werde ich mit Tom den Brief schreiben. Tom kann lesen und schreiben, weißt du, denn er geht in die Schule. Mach´s gut. Es war schön dich kennenzulernen. Bis bald!“

Tankino schwang sich in die Luft und umkreiste noch einmal die Arche. Dann flog zurück zum Tankumsee. Schon am nächsten Tag schrieben Tankino und Tom einen Brief an die Zeitung, die einen großen Artikel veröffentlichte, in dem die Geschichte vom Boot in Not stand. So kam es, dass viele Menschen mithalfen, Geld für einen Bootsbauer zu sammeln.

Und die Arche? Sie war plötzlich gar nicht mehr so traurig. Sie freute sich darauf, dass im Herbst, wenn die Blätter fallen, die Kinder wieder auf ihr herumturnen würden.

Tankino - der Drache vom Tankumsee
Tankinos Lieblingsbeschäftigung 🙂

Kennst Du schon die Geschichte von Tankino und dem Raumschiff? Du findest sie hier…